﻿{"id":2746,"date":"2023-12-02T11:14:48","date_gmt":"2023-12-02T10:14:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudiawessling.de\/?p=2746"},"modified":"2023-12-02T11:14:51","modified_gmt":"2023-12-02T10:14:51","slug":"geschichte-mit-fehlern-ein-gute-macht-maerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudiawessling.de\/index.php\/geschichte-mit-fehlern-ein-gute-macht-maerchen\/","title":{"rendered":"Geschichte mit Fehlern &#8211; ein Gute-Macht-M\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"\n<p>Dies ist eine Geschichte, die von A bis Z reicht: von Ablehnung bis Zuschreibung. Es ist die Geschichte von den Fehlern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fehler wuchsen in einer Gemeinschaft auf, in der es eine gro\u00dfe Bedeutung hatte, was man tat. Die Aufgabe wurde sehr ernst genommen und mit W\u00fcrde vollbracht, denn es galt als ehrenwert, andere auf etwas hinzuweisen. Stolz liefen die kleinen Fehler herum und strengten sich m\u00e4chtig an, schlie\u00dflich einmal zu gro\u00dfen Fehlern zu werden. Die gro\u00dfen Fehler sahen indessen liebevoll auf die kleinen Fehler und \u00fcbten sich in Geduld, denn um ein wirklich guter Fehler zu werden, brauchte es eben seine Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach und nach wuchsen die Fehler heran und verlie\u00dfen ihre gewohnte Umgebung, um endlich v\u00f6llig frei arbeiten zu k\u00f6nnen. Von den gro\u00dfen Fehlern hatten sie gelernt, dass man am besten klein anfange. Also versuchten sie es zun\u00e4chst in der Schule. Dort mussten sie zu ihrem Erstaunen feststellen, dass man ihnen schon einen Namen gegeben hatte, obwohl man sie doch noch gar nicht kannte: sie wurden Fehlerteufel genannt und man r\u00fcckte ihnen mit so etwas wie einem Swat-Kommando aus dem M\u00e4ppchen zu Leibe: dem Tinten-Killer. Es lief ihnen kalt den R\u00fccken herunter, aber sie lie\u00dfen sich nicht beirren und machten sich einen Riesenspa\u00df daraus, unvermittelt aufzutauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00f6hlich zogen sie weiter durch das Leben und mischten sich munter in jegliche Entscheidungen. Die beste Quote erzielten sie bei Jugendlichen. Die mochten sie am liebsten, denn sie verteidigten sie trotzig gegen jeden, der es auch nur wagte, davon zu sprechen. Das war so eine sch\u00f6ne Zeit, mit Trotz oder Schulterzucken fanden sie immer einen Platz und f\u00fchlten sich so richtig wohl. Doch je l\u00e4nger sie blieben, um so mehr mussten sie feststellen, dass eine neue Gefahr drohte: das Erwachsenwerden. Nun wurde es ernst und sie machten Bekanntschaft mit etwas, das sie fortan pr\u00e4gen, ja fast schon traumatisieren sollte: die Ablehnung. Pl\u00f6tzlich waren sie nicht mehr gesellschaftsf\u00e4hig, ob im Studium, Beruf oder Zuhause. Nicht erw\u00fcnscht. Und auch ohne Tinten-Killer-Kommando wurde es deutlich: mit roten Anmerkungen, Gebr\u00fclle von oben, Gestichel von der Seite oder Gemecker von vorne. Die Fehler waren gro\u00df, aber sie fingen an, sich zu ducken. Das verstanden sie nicht, was war denn pl\u00f6tzlich los? Wieso konnte keiner sehen, was f\u00fcr eine w\u00fcrdevolle Aufgabe sie \u00fcbernommen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fehler waren deprimiert und ratlos. Wie sollte es nur weitergehen, was sollte aus ihnen werden. Sie hatten gar schon vernommen, man d\u00fcrfe sie auf keinen Fall machen, was sie komplett arbeitslos machte oder sie k\u00e4men am besten erst gar nicht vor, was am Ende totschweigen bedeute. Alles andere als gute Aussichten. So sa\u00dfen die Fehler tagelang auf dem Sofa und schauten sich \u201ePleiten, Pech und Pannen\u201c an, um sich wenigstens ein bisschen aufzumuntern. Als auch das letzte Popcorn aufgegessen war, hatte pl\u00f6tzlich ein Fehler eine Idee. Es lag auf der Hand, man hatte es nur nicht sehen k\u00f6nnen bei der ganzen Irritation: wenn Fehler nicht gemacht werden d\u00fcrften oder nicht vork\u00e4men, dann k\u00f6nnte man sie, k\u00f6nnte man sie\u2026 ganz genau: unterstellen. Die anderen Fehler hielten den Atem an. Das war es, die super Gesch\u00e4ftsidee: Fehler w\u00fcrden fortan einfach zugeschrieben. Dann w\u00e4re es v\u00f6llig egal, wie sie arbeiteten und ihre Aufgabe erf\u00fcllten, denn es l\u00e4ge an der Perspektive.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war der Moment, in dem die Fehler die Delegation erfanden und ihren gro\u00dfen Coup mit einer neuen T\u00fcte Popcorn feierten. Nun hatten sie ihre Aufgabe weitergegeben an\u2026 einfach ALLE und machten sich ihr jahrelanges Image zunutze. Fehler wurden nicht mehr nur gemacht, der neue Level war: sie wurden zugeschrieben, meistens den\u2026ANDEREN. Zufrieden lehnten sich die Fehler zur\u00fcck und gew\u00f6hnten sich an ihre neue Arbeit im Untergrund. Das hatte was und so konnte es munter weiter gehen, denn der Plan ging wirklich gut auf und die Delegierten nahmen die Aufgabe der Fehlerzuschreibung ebenso ernst wie es die Fehler seinerzeit mit ihrer urspr\u00fcnglichen Aufgabe getan hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis der Tag kam, an dem das agile Arbeiten erfunden wurde. Die Fehler sa\u00dfen noch tr\u00e4ge herum und genossen ihre Funktion als Gro\u00dfunternehmer, als pl\u00f6tzlich viral ging, Fehler seien Teil des Prozesses. Verwirrt rieben sie sich die Augen, die vom vielen \u201ePleiten, Pech und Pannen\u201c gucken schon ganz klein geworden waren. Teil des Prozesses, was sollte das denn hei\u00dfen? Der erste Fehler schaltete entschlossen den Fernseher aus und beschloss, das m\u00fcsse man genauer untersuchen. Sie mischten sich \u2013 ganz wie in alten Zeiten \u2013 testweise unter die Abl\u00e4ufe eines Projektes. Was f\u00fcr ein Gef\u00fchl, das hatten sie lange nicht mehr erlebt! Aber tief im Inneren erinnerten sie sich, sie warteten darauf, dass sie bald vertrieben w\u00fcrden mit den bekannten Begleiterscheinungen und der bekannten Ablehnung. Dann lief ein Projekt v\u00f6llig aus dem Ruder, es gab eine Versammlung, sogar im Stehen. Die Fehler wunderten sich und f\u00fcrchteten, dass es dieses Mal besonders schlimm ausfallen werde. Vorsichtshalber zogen sie schon einmal die K\u00f6pfe ein. Aber was war das? Der Mensch, der den Fehler gefunden hatte, wurde gelobt von allen anderen. Was zum Fehlerteufel\u2026? Um nicht einer Finte auf den Leim gegangen zu sein, probierten die Fehler weitere Projektverl\u00e4ufe. Und wieder dasselbe. Die Fehler wurden selbst schon ganz agil bei der Erkenntnis, dass sie eine neue Rolle bekommen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als sie nach einem wohlverdienten Projekt mit vielen Eins\u00e4tzen und viel Lob nach Hause gingen, summte sie leise ihr neues Mantra \u201efr\u00fcher Fehler, fr\u00fcher Held, fr\u00fcher Fehler, fr\u00fcher Held\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Claudia Wessling, 19. Februar 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist eine Geschichte, die von A bis Z reicht: von Ablehnung bis Zuschreibung. Es ist die Geschichte von den Fehlern. Die Fehler wuchsen in einer Gemeinschaft auf, in der es eine gro\u00dfe Bedeutung hatte, was man tat. Die Aufgabe wurde sehr ernst genommen und mit W\u00fcrde vollbracht, denn es galt als ehrenwert, andere auf etwas hinzuweisen. Stolz liefen die kleinen Fehler herum und strengten sich m\u00e4chtig an, schlie\u00dflich einmal zu gro\u00dfen Fehlern zu werden. 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