Unternehmen: Digitalisierte Konflikte

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Als ich vor kurzem an einem Lokal vorbeiging fiel mir ein Plakat im Fenster auf: „Wir haben kein W-Lan, unterhalten Sie sich miteinander. Stellen Sie sich vor, es wäre 1995.“ Ich habe mir vorgestellt, wie amüsierte Gäste den mobilen Datenempfang einschalten und es genau so machen wie sonst auch. Und genau so kann es mit der Digitalen Transformation gehen, nur dass der Prozess umgekehrt abläuft. Ich sehe das Plakat vor mir, welches an der Tür des Büros der Unternehmensleitung hängt: „Wir befinden uns im Prozess der Digitalen Transformation, bitte benutzen Sie die neue Technik. Stellen Sie sich vor, es wäre 2025.“ Die irritierten Mitarbeiter schalten dann vielleicht nicht ein, sondern innerlich ab und machen es wie immer.

Natürlich wird es nicht genau so sein, das ist nur Science Fiction. Wie aber wird es denn sein? Stehen nun die Systeme im Mittelpunkt und die Programmierer entscheiden? Und legen die Personal- oder Organisationsentwickler dann ein Veto ein? Die Unternehmensleitung? Was machen in der Zeit die Mitarbeiter? Beziehungsweise die Kunden. Während alte Daten und Prozesse in neue Systeme migrieren, migrieren alte Kunden womöglich zum Wettbewerber. Je nachdem, was früher passiert. Ein Veränderungsprozess in solcher Dimension ist kein Spaziergang. Es geht nicht nur um die Digitalisierung von Prozessen, es geht um die Veränderung eines gewachsenen, lebenden Systemes.

Es verändert sich die ganze Unternehmenslandschaft und damit auch die gewohnten Abläufe, formellen und informellen Informationskanäle, Gepflogenheiten – wahrgenommene Kultur. Wandel ist die Voraussetzung für den weiteren Erfolg von Unternehmen, Anpassung sichert das Überleben und Bestehen. Das wissen auch Mitarbeiter, wenn sie es nicht selbst sind, die den Wunsch nach Veränderung haben Dennoch ist eine gezielte Kommunikation und das Einbeziehen aller Beteiligten die wichtigste Voraussetzung: das Argument „kostet zuviel Zeit“ wird durch oft schleppende Prozesse und Widerstand in der Belegschaft entkräftet. Denn dann wird der Prozess „Alle gegen Alle“ in Gang gesetzt – und automatisiert.

Digitale Transformation, eine Veränderung wie jede andere, nur in 3D. Dieser Prozess ist machbar, kann sich allerdings hinziehen wenn Konflikte entstehen und zunehmend nicht aufgelöst werden. Zum Ausprobieren hier ein kleines Rezept: Suchen Sie sich eine komplizierte Angelegenheit und sprechen Sie die betreffende Person nicht persönlich an, sondern schreiben Sie eine allgemein gehaltene, kurze und knappe E-Mail zum Sachverhalt. Wenn Rückfragen kommen, verweisen Sie auf Gesetzmäßigkeiten, das Arbeitshandbuch oder die Unternehmenswiki. Bleiben Sie hartnäckig bei Ihrem Standpunkt und setzen Sie falls nötig noch weitere Personen in CC. Senden Sie das Ganze mit Wichtigkeit hoch und antworten Sie nicht auf daraufhin eingehende Anrufe. Geben Sie Raum für Spekulation. Das Ganze etwa eine Woche auf kleiner Flamme köcheln lassen, umrühren wird es sich von alleine und zwar durch alle Abteilungen.

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